Vorstellung eines oft zu unrecht verschmähten und teilweise vergessenen Produktes für die Fotografie im Nahbereich "Die Nahlinse".

Gerade im Frühling wenn alles zu blühen beginnt oder Konträr dazu im Herbst tauchen sie wieder in Massen auf, die Bilder von knallbunten Blüten oder welkendem Blattwerk mit seinen ruhigen Erdtönen.

Bei einem Blick in die Facebook oder Google+ Medien kann einem da schon leicht schwindelig werden und oft weiss man nicht was die eigentliche Bildaussage ist. Sollte es eine wissenschaftliche Abbildung werden ? oder ist es der Versuch eines harmonischen Pflanzen oder Blütenbildes ?. 

Zwei Dinge treffen oftmals beim ambitionierten Semi-Profi aufeinander. Zum einen ist es die evtl. fehlende oder falsche Ausrüstung, zum anderen das "Wie". Ersteres ist es womit ich mich in diesem Artikel beschäftigen möchte. Der Fachhandel (Er möge mir die nächsten Zeilen verzeihen), ist natürlich bemüht seinen nach Hardware lechzenden Kunden zu befriedigen. Die Kameramarke ist hierbei nicht von Bedeutung, denn alle Hersteller bieten das Objekt der Begierde oft in verschiedenen Versionen (Brennweiten) und Preisklassen an. "Das Makrobjektiv"

Die Frage nach dem gewünschten Abbildungsmaßstab ist schnell vom Kunden beantwortet. Die einschlägigen Magazine in der Naturfotografie unterstützen bei der Meinungsbildung mit Produktvorstellungen in der Makrofotografie. Mindestens 1:1 oder besser noch 3:1 wie es Minolta seinerzeit auf dem Markt brachte, dröhnt es über den Ladentisch. Prima und schon sind beide Seiten zufrieden. Der Händler mit einem guten Umsatz und der Kunde mit seinem neuen Objektiv.

So kommt es das immer noch Fotografien der Blumenwelt im extremen Makrobereich überwiegen die nichts mehr als eine reine Dokumentation eines lebenden oder toten Gegenstandes im extremen Detailausschnitt darstellen deren Berechtigung im Wissenschaftlichen Bereich zu finden ist.

Nun ist genug der allgemeinen Vorrede. 

Um sich selbst zu bremsen oder einfach einmal in die Nahfotografie einzusteigen gibt es auch noch andere nicht minder interessante Wege in der Nah und Makrofotografie zu beschreiten. Einer davon ist die seit Beginn der Fotografie existierende professionelle und kostensparende Alternative zum Makroobjektiv. Die Nahlinse.

Dieses Werkzeug ist geradezu Prädestiniert um nicht verführerisch sofort wie bei einem Makroobjektiv in die "Vollen" zu gehen. Ich kann mein Standardobjektiv nutzen dessen Bokeh oft durch den Einsatz einer Nahlinse noch positiv beeinflusst wird und mir kostengünstig ein neues Arbeitsfeld der Fotografie erschließen.

Für diesen Artikel habe ich mit den verschiedenen Nahlinsen der Firma B&W aus dem Hause Schneider Kreuznach gearbeitet und das am lebenden Objekt. Eine Testreihe mit statischen Motiven wie z.B einer Münze oder Bleistiften schien mir nicht wirklich den Einsatz eines fotografischen Werkzeuges in der Praxis wieder zu geben. Denn wo bleibt der Tau, Regen, Wind, schwieriger Standort der dem Fotografen das Leben erschwert.

Ich setze die B&W Nahlinsen schon seit mehreren Jahren auf meinen Reisen durch schwedisch Lappland in der Naturfotografie ein. Irgendwann wird alles eine Frage des Gewichtes und eine Nahlinse ist mit Ihren 50-90 Gramm deutlich leichter als ein Makroobjektiv. "Wer hat der schleppt".  

Wie der Name es schon verrät, mit einer Nahlinse kann ich näher an des Objekt heran denn ich verringere einfach gesagt den Mindestabstand zu meinem Motiv. Nahlinsen werden in Dioptrine gemessen, so liefert die Firma B&W Nahlinsen in den Stärken 1-5 Dioptrine. Die mit den Nahlinsen erreichbaren maximalen Abbildungsmaßstäbe hängen von der Brennweite und der am Objektiv vorhandenen Minimaldistanz ab und variieren somit von Objektiv zu Objektiv. Das heisst, das ich mit einem 55mm Ojektiv einen ganz andere Entfernung und somit Abbildungsmaßstab erziele als mit einem Zoom Objektiv z.B 80-160 mm Brennweite. 

Der Aufbau meiner fotografischen Einrichtung mit Stativ und Kamera ist der gleiche wie bei der Nutzung eines Makrobjektives. Auch der Autofokus findet wie gewohnt sein Ziel obwohl ich mir eine Nahlinse in das Filtergewinde meines Objektives eingeschraubt habe. Die Nahlinsen haben wiederum ein Filterinnengewinde um weitere Filter wie Effektfilter oder Graufilter einzusetzen. Ein Nachteil der nicht verschwiegen werden sollte ist wenn ich Objektive mit unterschiedlichen Filtergewinde besitze, ich entweder Reduzierringe verwenden oder mir verschiedene jeweils passende Nahlinsen kaufen muss. Die Verwendung von Reduzierringen ist zu dem begrenzt damit es nicht zu Reflexionen zwischen Nahlinse und Objektiv kommt. Maximal eine Reduzierung z.B 72mm auf 67mm und nicht 72mm -> 70mm -> 70mm -> 67mm.

Zum Start reicht meistens der Kauf von zwei Nahlinsen aus. Mit einer Ein und Drei Dioptrine Nahlinse bin ich für den Anfang gut gerüstet. Um einen nahtlosen Übergang zu erzielen werden alle fünf Stärken von 1-5 Dioptrine benötigt. Die Bilder sollen zeigen wie sich der Nahbereich und somit der Vergrößerungsfktor in Natura darstellt.

Natürlich musste ich bei jedem wechsel in eine höhere Dioptrinestärke und gewünschter maximaler Ausnutzung des Nahbereichs einen Standortwechsel durchführen. Das muss ich beim Einsatz eines Makroobjektives auch, nur entfällt da das aus und einschrauben der Nahlinse.

Alle Maßstabsangaben können nur Richtwerte sein. Genaue Maßstabswerte sind für jedes Objektiv individuell zu ermitteln.

Quelle: Schneider Kreuznach B&W

  Nahlinse  NL 1  NL 2  NL 3  NL 4  NL 5  Makro 10   
  Dioptrien  + 1.0  + 2.0  + 3  + 4.0  + 5.0  + 10   
  Entfernung               
  unendlich  1,00  0,50  0,33  0,25  0,20   
  10 m  0,90  0,47  0,325  0,245  0,20   
  7 m  0,87  0,46  0,32  0,24  0,195   
  5 m  0,83  0,45  0,31  0,235  0,19   
  3 m  0,75  0,42  0,30  0,23  0,185   
  1 m  0,50  0,33  0,25  0,20  0,165  0,09   
  0,5 m  0,33  0,25  0,20  0,16  0,14  0,08

Meine Arbeits-Ausrütung:

  • Pentax 645D Mittelformatkamera 55mm Standardobjektiv
  • Nahlinsen: B&W von 1-5 Dioptrine
  • Stativ: Gitzo Stativ mit Manfrotto Mikrofriktionsneiger 405

Bewusst habe ich nicht die farbigen Orginalfotografien genutzt um nicht vom wesentlichen abzulenken. Hier in der Vorschau sind die Dateien heruntergerechnet. Die Mittelformat-Dateien in der Originalgröße finden Sie im Downloadbereich.

 

Nahlinsentest Ausgangsfoto
Original Ausgangs Foto
Nahlinse Dioptrin 1
Nahlinse Dioptrin 2
Nahlinse Dioptrin 3
Nahlinse Dioptrin 4
Nahlinse Dioptrin 5
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Fazit:

Eine hochwertige Nahlinse ist eine gute Alternative zum deutlich teureren Makroobjektiv gerade dann wenn ich nur Sporadisch in die Welt der kleinen Dinge abtauchen möchte. Hingegen kann ich ein Makrobjektiv auch für alle Nicht-Makro Bereiche der Fotografie einsetzen wo es durch seine besondere Bauart an Schärfe im Vergleich zu anderen Objektiven meistens nicht zu überbieten ist.

Hersteller Nahlinsen: B&W, NISIN, Heliopan u.w.

 

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